Manuel Andrack - Führerschein

1 Jul 15

Manuel Andrack: „Dieses Dokument hat mich Schweiß und Tränen gekostet“

Was ist Ihr wichtigstes Dokument? Diese Frage haben wir Prominenten gestellt. Manuel Andrack musste nicht lange überlegen. Sein Dokument hat ihn nicht nur viel Schweiß und Tränen gekostet, sondern auch 45 Lebensjahre bis er es endlich in der Tasche hatte. In smart schreibt der ehemalige Redaktionsleiter von Harald Schmidt über seinen Weg zum Schein.

Will nicht mehr ohne Schein sein, Manuel Andrack mit seinem wichtigsten Dokument.
Was ist Ihr wichtigstes Dokument? Diese Frage haben wir Prominenten gestellt. Manuel Andrack musste nicht lange überlegen. Sein Dokument hat ihn nicht nur viel Schweiß und Tränen gekostet, sondern auch 45 Lebensjahre bis er es endlich in der Tasche hatte. In smart schreibt der ehemalige Redaktionsleiter von Harald Schmidt über seinen Weg zum Schein.

Ich finde, das ist ein hübsche Idee von KYOCERA, genau die Dokumente zu würdigen, die einen wichtigen Einschnitt ins Leben bedeuten. Ich habe dann überlegt, welches Dokument das in meinem Fall sein könnte. Abi-Zeugnis? Blicke ich gar nicht mehr durch, ich hatte 683 Punkte, ist das jetzt gut oder schlecht gewesen? Uni-Examen? Tja, wo ist das eigentlich, habe ich nie gebraucht, kann nicht so wichtig für mein Leben gewesen sein. Das erste Buchmanuskript? Na ja, ehrlich gesagt, macht so ein Manuskript im Vergleich zum fertigen Buch keinen großen Unterschied.

Immer dabei

Aber ich besitze ein Dokument, das ich tagtäglich mit mir führe. Ein Dokument, das für die meisten anderen Menschen so normal ist wie der Personalausweis oder das Krankenkassenkärtchen. Ein Dokument, das mich Schweiß und Tränen gekostet hat, bis ich es endlich in den Fingern hatte: meinen Führerschein. Für die meisten eine Belanglosigkeit. Den Führerschein macht man doch so nebenbei, als Beigabe zur Volljährigkeit sozusagen, und dann hat man ihn - oder man hat ihn eben irgendwann nicht mehr. Daher war auch die meistgestellte Frage, wenn ich darauf hinwies, keinen “Lappen” zu besitzen: “Wie viel Promille hattest Du denn?” Und dann musste ich 45 Jahre lang erklären: Nein, ich habe meinen Führerschein nicht verloren! Nein, ich habe nie einen gemacht! Ja, das ist bei mir so ein wenig genetisch bedingt, meine Eltern hatten auch keinen Führerschein. Ja, ich war in den Achtzigern, als andere die Fahrerlaubnis erwarben, ein Fundamental-Öko und ja, Autos waren Feindbilder für mich. Außerdem lebte ich vier Dekaden lang in Köln, also in einer verkehrsmäßig exzellent ausgestatteten Großstadt. Aber dann bin ich der Liebe wegen ins Saarland gezogen. Da fahren die Busse nicht mehr ganz so regelmäßig. Und so hatte ich mich entschlossen, in vorgerücktem Alter noch mal die harte Schulbank zu drücken, in diesem Fall die Fahrschulbank.

Bei der Anmeldung in der Fahrschule Peter Schorr fiel mir aber schon mal die Kinnlade hinunter, denn mein Fahrlehrer schockte mich mit dem Satz: "Diese Gleichung musst Du (im Saarland wird ziemlich schnell geduzt) Dir klar machen: Fahrstunden gleich Lebensalter.” Wie bitte, ich war 45 Jahre alt und sollte demnach ungefähr 45 Fahrstunden machen? Ein Führerschein, der um die 2.000 Euro kostet, das ist ja ein Vermögen! Und eine Oma, die das Ganze sponsert, habe ich auch nicht mehr.

Kupplung langsam kommen lassen

Ich habe dann wirklich etliche Übungseinheiten gebraucht, um mir die grundlegenden Fahrtechniken anzueignen. Bis ich das hinbekam, die Kupplung kommen zu lassen, hat es gefühlt Jahrzehnte gedauert. Ich habe den Motor bestimmt hundert Mal am Kreisverkehr abgewürgt, aber die Autofahrer hinter mir waren erstaunlich geduldig. Und dann war ich motorisch und intellektuell oft überfordert, das alles gleichzeitig im Griff zu haben: Lenkrad, Rückspiegel, zwei Außenspiegel, Blinker, Schalthebel, Gas, Bremse – die Multitasking-Fähigkeit nimmt eben im fortgeschrittenen Alter ab. Und ich hatte einige kritische Situationen zu überstehen: Beim Einfädeln das Auto neben mir übersehen (Hallo, toter Winkel!), rechts vor links missachtet, am Zebrastreifen nicht gebremst. Aber irgendwann habe ich dann die Fahrprüfung abgelegt, und das mit der erstaunlichen Anzahl von “nur” 42 Fahrstunden. Da war mein Fahrlehrer, der Schorrpit mit dem Horst-Lafer-Gedächtnis-Schnurrbart, mächtig stolz auf mich. Und die Prüfung verlief glatt. Ich musste noch nicht einmal einparken, eine Gefahrenbremsung habe ich hingelegt - da flog die Tasche des Fahrprüfers durchs Auto.

Und dann bekam ich mein Dokument. Ein “Lappen” ist es ja gar nicht mehr, sondern nur ein kleines Plastikkärtchen. Und das war wirklich ein erhebendes Gefühl, ab sofort nicht mehr mit Begleitschutz fahren zu müssen, sondern ganz alleine, und seitdem sind die Autos hinter mir auch nicht mehr so geduldig, wenn ich die Karre mal wieder abwürge. Na ja, ich habe mir jetzt wegen des Abwürgens einen Automatik-Wagen zugelegt. Und bin in den letzten drei Jahren fast 100.000 Kilometer gefahren, das war die eigentliche “Fahrschulung”. Aber immer hatte ich mein liebstes Dokument dabei in der Gesäßtasche: meinen Führerschein.

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