Unter dem Topthema d!conomy beschäftigt sich die CeBIT 2015 mit der allgegenwärtigen Digitalisierung. So sorgt die Kombination aus Hochgeschwindigkeitsnetzen und modernen Technologielösungen für einen rasanten Wandel in unserem beruflichen Alltag. Wir sind viel flexibler, mobiler und können individueller entscheiden als noch vor einem Jahrzehnt. Das schafft neue Möglichkeiten, birgt aber auch Risiken, über die wir nachdenken müssen.

Mit seiner furchteinflößenden Thematik ist der im Jahr 1982 gedrehte Science-Fiction-Film „Blade Runner“ in die Filmgeschichte eingegangen: Im Los Angeles des Jahres 2019 muss Harrison Ford als Polizist aufständische Roboter jagen, die von Menschen kaum noch zu unterscheiden sind. Heute, nicht mehr lange vom Jahr 2019 entfernt, haben Roboter in vielen Bereichen einst menschliche Arbeitsaufgaben übernommen. Sie schweißen Stahl, lackieren Autos oder sortieren Getränkekisten. Zunehmend sind sie sogar in der Lage, nicht nur unsere Muskelkraft, sondern auch unsere Geisteskraft zu ersetzen. Doch zum Glück sind die Androiden optisch noch recht gut von echten Menschen unterscheidbar. Einen Aufstand der Roboter müssen wir vorläufig nicht befürchten.

Extrem schnelle Breitbandnetze, hochleistungsfähige Smartphones und Computer sowie „smarte“ Maschinen sorgen dennoch dafür, dass sich unser heutiges Arbeitsleben massiv von der Berufswelt von gestern oder vorgestern unterscheidet. Der Schreibtisch und der „immobile“ Büroarbeitsplatz haben durch die Virtualisierung vieler Arbeitsinhalte an Bedeutung verloren. Via Cloud kann man von fast überall auf alle wichtigen Daten, Programme und Informationen zugreifen. Für viele Arbeitskräfte gehört es längst zum Alltag, dass man sich ein-, zweimal wöchentlich zu Meetings im Büro trifft, ansonsten aber viele Aufgaben unterwegs oder im Home-Office erledigt.

Richtig genutzt, können diese durch die Digitalisierung bedingten Fortschritte einen großen Beitrag zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit liefern: Wer nicht jeden Tag ins Büro fährt, reduziert ganz leicht seinen persönlichen CO 2 -Ausstoß. Unternehmen können ihre Büroflächen effizienter nutzen, Ressourcen schonen, Betriebskosten reduzieren. Wer selbst im Home-Office arbeitet, kann seinen Tages- oder Wochenablauf häufig flexibler gestalten. Davon profitieren nicht nur Kinder, die Mama oder Papa häufiger zu Gesicht bekommen.

Die Digitalisierung ermöglicht es Unternehmen auch, flexibler auf Leistungspeaks zu reagieren. Wer beispielsweise für einzelne Projektaufgaben zeitlich begrenzt Spezialisten benötigt, kann diese durch moderne Cloud-/Crowd-Working-Arbeitsmodelle weltweit beauftragen. In manchen Geschäftsbereichen können solche Zuarbeiter selbst dann den Betrieb unterstützen, wenn sie in anderen Zeitzonen leben.

Weg aus dem Fachkräftemangel?

Doch auch, wenn es nicht gleich um Kooperationsmodelle über Kontinente hinweg geht: Freelancer, die beispielsweise an ganz unterschiedlichen Orten in Deutschland ansässig sind, können schon heute problemlos ein Arbeitsteam bilden und gemeinsam Aufgaben lösen. Das kann dem Druck, dem viele Unternehmen durch den Fachkräftemangel ausgesetzt sind, positiv entgegenwirken.

Neueste Errungenschaften werden auch andere Arbeitswelten umkrempeln. Schon heute stehen selbstfahrende Autos vor der Serienreife. Auch wenn man dieses Extra wohl zuerst in teuren Luxuslimousinen wird nutzen können: Über kurz oder lang dürfte diese Neuerung in allen Fahrzeuggattungen zum Standard werden. Das könnte Taxifahrer, LKW-Fahrer, Busfahrer überflüssig machen – oder deren heutige Tätigkeit zumindest stark verändern.

Diese Beispiele machen deutlich: Die Digitalisierung kann uns viele Vorteile bescheren, wir sollten Nachteile und Risiken aber nicht ausblenden. Das bekannteste Negativbeispiel ist heute fast jedem gut vertraut: Viele Menschen leiden darunter, dass sie mit ihrem Smartphone rund um die Uhr erreichbar sind – und sprichwörtlich nicht mehr abschalten können. Steigende Fallzahlen bei depressiven Erkrankungen und Burnout untermauern die Problematik.

Laufen wir mit weiteren Digitalisierungsschritten also womöglich Gefahr, dass sich unsere Arbeitswelten wieder in die Richtung des Manchester-Kapitalismus des 19. Jahrhunderts entwickeln? Wie sieht es aus mit der Datensicherheit, wenn alle Unternehmensinformationen in der Cloud lagern? Wie sicher und fair bezahlt sind unsere Arbeitsplätze, wenn man überall auf der Welt Mitarbeiter anheuern kann? Wie sieht es aus mit Belastungsschutz, Gesundheitsvorsorge, Altersvorsorge?

Fehlentwicklungen frühzeitig vermeiden

Die Digitalisierung kann uns eine Menge Komfort, Freiheiten und Individualität bescheren. Sie kann unsere persönliche Autonomie ebenso wie unsere tägliche Zusammenarbeit mit Kollegen auf eine ganz neue Qualitätsstufe heben. Sie kann einen wertvollen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz liefern. Aber: Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den falschen Weg einschlagen! Politik, Wissenschaft, Unternehmen und Arbeitnehmer ebenso wie Freiberufler sind deshalb herausgefordert, einen für uns alle förderlichen Kompromiss zu finden, der persönliche Freiheiten, Wirtschaftlichkeit, aber auch Datenschutz, Arbeitsrecht und Umweltschutz unter einen Hut bringt.