Phil Sargeant ist Analyst beim internationalen Marktforschungsinstitut IDC. Für ihn wird das Büro auch zukünftig nicht papierlos sein, wie er im Interview mit smart. KYOCERA business blog erklärt. 

smart: Herr Sargeant, die deutsche Wirtschaft boomt. Wie äußert sich dies im Drucker- und Kopierermarkt?

Phil Sargeant: Das Wirtschaftsklima eines Landes hat direkten Einfluss auf die Verkaufszahlen von Druckern und Kopierern. Dies geht aus den Zahlen von IDC eindeutig hervor. So spiegelt sich die positive Entwicklung in der deutschen Wirtschaft bei der Nachfrage nach Druck- und Kopierlösungen wider – unabhängig von Unternehmensgrößen und Branchen. Die europäischen Märkte, die derzeit mit einer negativen Entwicklung des Brutto Sozialprodukts sowie hohen Arbeitslosenzahlen und sichtbarer Armut kämpfen, verzeichnen dementsprechend ein negatives Wachstum in diesem Bereich. Wir gehen aber davon aus, dass sich diese Märkte langfristig erholen werden.

smart: Was sind neben dem guten Wirtschaftsklima Ihrer Meinung nach die treibenden Entwicklungen im Drucker- und Kopierermarkt?

Sargeant: Da gibt es gleich eine Reihe von Entwicklungen, die miteinander verknüpft sind und die in Zukunft die Marktentwicklung prägen. Ein Beispiel ist hierfür das Geschäft mit Managed Document bzw. Managed Print Services auf das sich die meisten Hersteller konzentrieren. Diese, meist langfristig abgeschlossenen Verträge, wirken sich auf den Einsatz von Hardware bzw. die Absatzzahlen bei Verbrauchsmaterialien sowie entsprechenden Dienstleistungen aus. Davon profitieren nicht nur die Hersteller, sondern auch die Kunden, die so eine bessere Planungssicherheit erhalten.

smart: Nun messen Anbieter den Begriffen Managed Print und Managed Document Services recht unterschiedliche Bedeutungen bei. Ist dies ein Problem bei der Kundenansprache?

Sargeant: Tatsächlich ist der Begriff Managed Print Services (MPS) schon lange am Markt etabliert und meint Druckleistungen, Bestellungen von Verbrauchsmaterialien, Reparaturservices oder auch Seitenpreiskonzepte. Managed Document Services (MDS) hingegen haben Dokumentenprozesse in den unterschiedlichen Abteilungen im Fokus. Hier geht es also nicht nur um Druck-Prozesse, sondern um folgende Fragen: Welche Rolle Dokumente im Unternehmensumfeld spielen, welche Abläufe mit deren Bearbeitung oder Archivierung einhergehen und wie man diese optimieren kann? Um dies zu verdeutlichen, müssen Anbieter noch kundenorientierter kommunizieren. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass die einzelnen Zielgruppen, die das Thema betrifft, in den Unternehmen sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben: Die IT sucht verstärkt nach Dokumentenmanagement-Lösungen, die die Prozesse der unterschiedlichen Geschäftsbereiche im Unternehmen verbessern, während die Finanzabteilungen nach kostengünstigen Lösungen suchen. Dies muss bei der Ansprache bedacht werden.

smart: MDS und MPS sind und bleiben also wichtige Wachstumstreiber?

Sargeant: Die Themen MDS und MPS werden weiterhin eine wesentliche Rolle spielen. Allerdings haben Unternehmen trotz des rasanten technologischen Fortschritts im Bereich Digitalisierung einen hohen Bedarf an gedruckten Seiten. Auch wenn die Optimierung von Prozessen im Fokus steht, benötigt nicht jeder Endkunde zwangsläufig das komplette Portfolio an Dokumentenmanagement bzw. Printing Services. Ein hohes Potenzial sehe ich daher besonders bei den kleinen und mittleren Unternehmen. Junge Start-Ups sowie der Mittelstand sind die wesentlichen Treiber einer sich erholenden Wirtschaft. Viele Hersteller adressieren daher diese Unternehmen mit flexiblen Finanzierungs- und Abrechnungsmodellen.

smart: Im Rahmen der Mobile Life Tour, die Kyocera unterstützte, wurde deutlich, dass auch das Thema Mobilität für Unternehmen immer wichtiger wird. Wie schätzen Sie dies ein?

Sargeant: Das Thema Mobilität beeinflusst die Arbeitsabläufe der Unternehmen erheblich. Die rasante Zunahme von mobilen Endgeräten, Smartphones, Tablets und anderen Geräten, die komplett in das Unternehmensnetzwerk eingebunden sind, werden diesen Trend noch beschleunigen. Bei den Mobile- und Cloud-Anwendungen stellen wir vor allem fest, dass viele Service-Anbieter und IT-Integratoren sich auf Lösungen konzentrieren, die einen einfachen Zugang bzw. eine einfache Speicherung von Dokumenten und Daten ermöglichen. Bereits heute ist ein Großteil der Hardware standardmäßig Internet- und Cloud basiert. Die Entwicklung von intelligenten MFPs mit einer offenen Programmierplattform, mit der man zugeschnittene Kundenanwendungen programmieren kann, wird ein weiterer Treiber im Markt sein.

smart: Insbesondere im Geschäft mit Lösungen, setzen Kunden auf einen hohen Automatisierungsgrad. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Sargeant: Der Bedarf an automatisierten Prozessen ist in vielen Unternehmen groß. Jede Dokumentmanagement-Lösung, die Prozesse verschlankt und vereinfacht, reduziert Kosten und verbessert die Produktivität. Die Systeme laufen stabiler und Mitarbeiter müssen weniger eingreifen und das führt zu einer höheren Kundenzufriedenheit. Die Datenmengen, die in den Unternehmen sowie durch den Einsatz Sozialen Medien generiert werden nehmen massiv zu und sind schwierig zu verwalten. Auch der Bedarf an automatisierten Arbeitsabläufen wird bei zukunftsorientierten Unternehmen immer wichtiger. Damit einher ist der Bedarf an größeren Servicelevels und entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen/Sorgfalt aber auch der erweiterte Zugang zu Unternehmensdaten und Dokumenten.