Wie heißt es doch so häufig: Der Weg ist das Ziel. Dieser Satz gilt besonders für den digitalen Wandel. Die Schwierigkeit besteht darin, dabei die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Wie sich dies vermeiden lässt, verrät der Autor und Kommunikationsexperte Prof. Dieter Georg Adlmaier-Herbst in seinem Gastbeitrag.

Wir alle haben Ziele – persönliche und berufliche: „Am Ende des Tages sind alle wichtigen Mails erledigt“, „Bis Ende der Woche habe ich mein Konzept für den nächsten Newsletter abgegeben“, „Ende des Monats sind alle Papierrechnungen digitalisiert“. Ziele sollen uns in eine gewünschte Richtung bewegen. Doch nicht immer folgen auf Ziele auch Handlungen, wie die vielen gescheiterten Neujahrsvorsätze zeigen. Woran liegt das? Die psychologische Forschung sagt, dass es zum einen eine große Rolle spielt, wie wir Ziele formulieren, und zum anderen wichtig ist, dass die Zielformulierung zur Persönlichkeit passt.

Tipp 1: Formulieren Sie Ihre Vorsätze stets positiv

Schon wie wir unsere Ziele formulieren, beeinflusst stark, ob wir sie erreichen und dauerhaft umsetzen: Viele Menschen formulieren Ziele, die darin bestehen, dass sie künftig etwas vermeiden möchten: „Ich darf keine Süßigkeiten mehr essen“, oder  „Ich muss mit dem Rauchen aufhören“. Im Job sind Beispiele: „Ich darf nicht mehr so lange Zeit in Sitzungen verbringen“, oder „Ich darf nicht mehr alle Projekte annehmen“. Solche Ziele führen uns ständig einen negativen Zustand vor Augen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass dies zu Anspannung führt, geringerem Selbstwertgefühl und Versagensangst. Formulieren wir hingegen unsere Ziele positiv, fühlen wir uns selbstbestimmter, kompetenter und sehen Zielfortschritte. Ergebnis: Wir sind dauerhaft motivierter für unser Ziel.

Seit den Studien der beiden Management-Experten Edwin Locke und Gary Latham ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Mitarbeitende besser arbeiten, wenn sie eine präzise Vorgabe haben, an die sie sich halten können und die ihrem Handeln einen festen Rahmen gibt. Ziele sollten daher SMART formuliert sein, also spezifisch (specific), messbar (measurable), erreichbar (attainable), realistisch (realistic) und auf einen festgelegten Zeitraum bezogen (time-phased). Beispiele: „Ich nehme 3 Projekte zur Digitalisierung von Dokumenten pro Monat an“ oder „Ich werde pro Woche 5 Neukunden akquirieren“.

Tipp 2: Legen Sie Ihr Ergebnis fest und das erforderliche Verhalten

Ein Ergebnisziel legt dann das Resultat Ihrer Handlung fest. Beispiele: „Am Ende meines Arbeitstages befinden sich keine Mails mehr in meinem Posteingang“, „Ende der Woche habe ich alle Papierrechnungen digitalisiert“, oder „Jede Woche akquiriere ich 50 Neukunden“. Um diese Ergebnisziele zu erreichen, brauchen Sie Verhaltensziele. Diese legen fest, durch welches Verhalten Sie Ihre Ziele erreichen. Verhaltensziele dienen dazu, die Ergebnisziele konkret umzusetzen. Das Ergebnisziel, am Ende des Arbeitstages keine E-Mails mehr im Posteingang zu haben, können Sie unter anderem durch folgendes Verhalten erreichen: Wichtigste Mails sofort bearbeiten, unwichtige Mails ignorieren oder delegieren, nicht dringliche Mails am nächsten Tag beantworten. Bei mir funktioniert das. Verhaltensziele haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sorgen für eine genaue Ausführung, ähnlich der Anleitung zum Aufbau des IKEA-Regals: „Schraube 1 in Loch 2“, damit als Ergebnis das Regal steht.

Allerdings gibt es einen Haken: SMART-Ziele wirken nur dann so stark, wenn die Person für das Ziel motiviert ist. Ist die Person unsicher und besorgt, das Ziel erreichen zu können, fehlt die Kraft für die Umsetzung in die Tat. Fehlt Motivation, können SMART-Ziele auch störend oder belästigend wirken, wie das Stöhnen und Seufzen zeigt, wenn Mitarbeiter und Führungskräfte auf Zielvereinbarungsgespräche angesprochen werden. Woran liegt es, dass Motivation die Voraussetzung für die Wirkung der SMART-Ziele ist, aber oft nicht vorhanden ist?

Der Grund ist, dass bisher kein Verfahren bekannt ist, mit dem Motivation zuverlässig und systematisch entsteht. Bonussysteme sind zwar ein Anreiz, funktionieren aber extrinsisch, also nur so lange, wie die Boni als leckere Wurst vor den Nasen der Mitarbeitenden baumeln. Jedoch hat extrinsische Motivation nichts mit Einsatz aus innerer Überzeugung zu tun. Wie lässt sich Motivation freisetzen? Hierfür haben Forscher an der Universität Zürich sogenannte Haltungsziele entwickelt.

Tipp 3: Formulieren Sie eine motivierende Haltung

Haltungsziele beantworten die Frage, warum wir ein Ergebnis erreichen und uns zielgerecht verhalten wollen. Aus der Politik kennen wir die Kraft von Sätzen wie „Yes, we can“ oder „Wir schaffen das“. Wie Sie sehen können, sind Haltungsziele allgemeiner formuliert als SMART-Ziele, weil sie grundsätzliche Haltungen bzw. Einstellungen ausdrücken.

Für die Digitalisierung sind als Haltungen besonders wichtig die konsequente Kundenorientierung, die Offenheit für Neues sowie die Agilität. Ein Haltungsziel wäre demnach: „Wenn mein Kunde zufrieden ist, bin auch ich glücklich.“ Studien zeigen, dass wir ständig nach Möglichkeiten suchen, solche für uns motivierenden Haltungen umzusetzen. Wir können also je nach Situation flexibel reagieren.

Ein weiteres Beispiel: Die Haltung der Offenheit für Neues könnte im Haltungsziel münden: „Alles ist möglich.“ Wichtig ist, dass die Haltung zu Ihrer Persönlichkeit passt und sie für Sie als sehr wünschenswert gilt. Um eine solche Haltung zu entwickeln, können Sie als Unterstützung des Zürcher Ressourcenmodell nutzen, das an der Universität Zürich entwickelt wurde.

Mit festen Zielen zum digitalen Wandel

Jetzt sind Sie dran: Bitte formulieren Sie Ihre Ziele. Die Ziele können Sie für sich selbst formulieren, für die Zusammenarbeit mit anderen, für Ihr Team, ein Projekt oder für das gesamte Unternehmen. Hier einige Beispiele:

  • Ergebnisziel (SMART):  „Am Ende des Arbeitstages ist mein Posteingang leer“.
  • Verhaltensziel (SMART): „wichtige Mails bearbeiten“, „unwichtige Mails ignorieren oder delegieren“, „nicht-dringliche Mails am nächsten Tag beantworten“ etc.
  • Haltungsziel (allgemeiner): „Glücklich und entspannt gehe ich in meinen wohlverdienten Feierabend“, „Nach erledigter Arbeit kann ich meinen Feierabend genießen“.

Und denken Sie daran: Ziele immer positiv formulieren, damit sie motivierender sind.

Der Autor: Prof. Dieter Georg Adlmaier-Herbst

Dieter Georg Adlmaier-Herbst ist ein deutscher Marken- und Kommunikationsexperte. Er unterrichtet an mehreren Hochschulen im In- und Ausland und ist Autor mehrerer Bücher zu den Themen Kommunikation und Digitale Transformation.

Weitere Informationen

Wie Ihnen neben konkreten Zielen Dokumentenmanagement-Lösungen helfen, den digitalen Wandel voranzutreiben, erfahren Sie in unserem Leitfaden fürs Digital Office. Diesen können Sie kostenfrei herunterladen.