Der digitale Wandel stellt insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor Herausforderungen. Der Publizist Tim Cole rät in seinem Gastbeitrag daher zum digitalen Dreisprung.

Digitale Transformation ist kein einmaliger Prozess, und sie ist auch niemals abgeschlossen. Stattdessen ist es hilfreich, sich diesen grundlegenden Wandel als eine Art „digitalen Dreisprung“ vorzustellen: Analoge Unternehmensprozesse werden zunächst digitalisiert. Digitalisierung bedeutet vor allem eines: Beschleunigung, denn in der digitalen Welt ticken die Uhren nun mal im Takt von Moore’s Law, also Verdopplung alle 18 bis 24 Monate.

Aber Digitalisierung allein führt nicht zu massiver Veränderung – dazu müssen die einzelnen Prozesse erst noch miteinander vernetzt werden. Dadurch kommt Bewegung ins Spiel: Vernetzung bringt die richtige Information zur richtigen Zeit an die richtige Stelle im Unternehmen. Vorausgesetzt jedenfalls, man hat die Vernetzung auch ordentlich zu Ende geführt.

Digitale Brüche vermeiden

Leider ist das in viel zu vielen mittelständischen Unternehmen (noch) nicht der Fall: Da gibt es immer wieder digitale Brüche, müssen bereits digitalisierte Informationen schlimmstenfalls ausgedruckt und in einem anderen System wieder eingetippt werden, was zu vermeidbaren Kosten und Fehlern führt.

Der dritte Sprung wird durch den Trend zur Mobilität ausgelöst: Da insbesondere jüngere Mitarbeiter heute in einem geradezu symbiotischen Verhältnis mit ihren Smartphones leben, erwarten sie selbstverständlich, dass sie über ihr mobiles Endgerät Zugang zu allen internen unternehmerischen Systemen und Prozessen haben.

Doch dadurch ändert sich der Umgang mit diesen Systemen – mobile Mitarbeiter arbeiten wann und vor allem wo sie wollen: Im Flugzeug, in der Bahn, im Starbucks Cafe um die Ecke oder eben auch daheim im vielzitierten Homeoffice. Das allerdings nur, wenn der Arbeitgeber es ihnen auch erlaubt. Einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom zufolge fordern 75 Prozent der deutschen KMUs von ihren (Wissens-)Arbeitern unbedingte Präsenzpflicht im Büro. Der Generationenkonflikt ist damit vorprogrammiert.

Prozesse auf den Kopf stellen

Dieser digitale Dreisprung kann Prozesse bis zur Unkenntlichkeit verändern oder sogar auf den Kopf stellen. Nehmen wir nur das Marketing: Früher, also in der vordigitalen Zeit, war es Aufgabe von Marketing, Botschaften von innen nach außen zu kommunizieren – „one to many“, wie es in der Marketingsprache hieß.

Doch dann kam das Internet, und das Marketing musste Wege finden, digital und vernetzt mit Kunden zu kommunizieren. Kaum eine Firma, die heute nicht auf Facebook vertreten ist – mehr oder weniger erfolgreich, denn die alten Marketingbotschaften, die Anzeigen, Pressetexte oder Werbespots, sind nicht unbedingt das, was die Menschen auf Facebook suchen.

Aber dafür barg der Schritt ins Internet für Marketingprofis ein geradezu schockartiges Erlebnis: Plötzlich waren sie mit echten Menschen konfrontiert, die sich – das Internet ist ein Zwei-Wege-Medium – zu Wort melden, Fragen stellen, Lob oder Kritik äußern oder auch nur rumstänkern konnten, und das in aller Öffentlichkeit!

Das Wissen, das das Marketing über den Kunden gesammelt hat, muss ins Unternehmen zurückfließen – aber nicht in ein abgeschottetes CRM-System, auf das nur das Marketing Zugriff hat, sondern dorthin, wo die Information benötigt wird. Das kann je nachdem der Vertrieb sein, die Produktentwicklung oder das Beschwerdemanagement. Diese Kollegen warten händeringend auf Erkenntnisse über Kundenwünsche und -bedürfnisse, die ihnen nur das Marketing liefern kann – wenn sie ihren Job richtig verstanden haben und das Unternehmen ausreichend vernetzt ist.

Vom Einkauf bis Marketing

Der digitale Dreisprung lässt sich in jeder Abteilung eines typischen mittelständischen Unternehmens beobachten, etwa in der Logistik, wo es nicht mehr genügt, dafür zu sorgen, dass die Regale im Laden voll sind. Mit dem Siegeszug des Online-Einkaufens müssen riesige Ströme digital bestellter Güter physikalisch zum Kunden gebracht werden. Aber es ist heute schon absehbar, dass wir eines Tages digital bestellte Waren auch digital ausliefern werden, nämlich über 3D-Drucker, die beim Kunden zu Hause installiert sind und für die es genügt, wenn der Anbieter die CAD-Daten über das Internet schickt.

Tim Cole
Tim Cole ist ein Internet-Journalist der ersten Stunde. Als Buchautor („Digitale Transformation“) und Vortragsredner steht der Deutschamerikaner im laufenden Dialog mit Wirtschaftsführern in kleinen und großen Unternehmen.

Alle Prozesse werden in den nächsten Jahren datenbasiert umgestellt werden müssen. Aus dem alten Berichtswesen, das uns sagt, wie es uns gestern gegangen ist, wird zunehmend ein vorausschauendes oder prädiktives Reporting, das uns sagt, wie es uns morgen ergehen wird. Dank des digitalen Dreisprungs wird sich das früher oder später umwandeln in „präskriptives“ Reporting, bei dem wichtige unternehmerische Entscheidungen sozusagen automatisch ausgelöst werden.

Oder nehmen wir den Einkauf, wo aus dem schüchternen „Beschaffungsmäuschen“ von gestern mit seinen dicken Warenkatalogen ein mächtiger Herr der Daten wird, der mit strategischem Einkauf und E-Procurement zu einer Schlüsselfigur und zu einem wichtigen Partner für die Unternehmensleitung wird. Und mit Industrie 4.0 betreten wir sogar Neuland: Nicht drei, sondern vier Sprünge vorwärts. Die Smart Factory von morgen wird digital, vernetzt und mobil sein – oder gar nicht.

Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil für KMU?

Die Schritte in die digitale Transformation wirken , jeder für sich, auf den ersten Blick vielleicht klein und unscheinbar, nur eine logische Weiterentwicklung bestehender Prozessschritte. Aber am Ende haben sie das Zeug dazu, gerade kleine und mittlere Unternehmen komplett umzukrempeln und ihnen dabei einen wichtigen Wettbewerbsvorteil gegenüber weniger flexiblen Großkonzernen zu verschaffen.

Wer versucht, diese Entwicklung aufzuhalten oder gar umzukehren, ist zum Scheitern verurteilt – aber nicht nur das: Er leistet dem eigenen Unternehmen einen Bärendienst, denn das Neue ist nicht aufzuhalten – es lässt sich nur hinauszögern. In der Zwischenzeit werden aber andere vorbeiziehen, und dann ist es fürs eigene Unternehmen längst zu spät.

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